Deutsche Kinder sozial bedenklich


Generation Rücksichtslos?
Deutsche Kinder sozial bedenklich

Mobbing, Ich-Bezogenheit und fehlendes Mitgefühl sind unter Kindern und Jugendlichen weit verbreitet: Einer aktuellen Studie zufolge hat jedes 5. Kind unter 11 Jahren bedenkliche soziale Defizite, und jedem 3. Jugendlichen fehlt der Gemeinschaftssinn.

Knapp 1000 Kinder untersucht

Der Gemeinschaftssinn ist eine der zentralen Säulen unserer Gesellschaft. Doch wie sieht damit bei deutschen Kindern und Jugendlichen aus? Bedenklich, so die Ergebnisse einer aktuellen Studie von Erziehungswissenschaftler der Universität Bielefeld. Sie hatten knapp 1000 Kindern im Alter von 6 bis 16 Jahren intensiv zu ihren Meinungen und Einstellungen befragt. Besonderen Wert legten die Forscher dabei auf die Verhaltensweisen Empathie, Solidarität, Gleichgültigkeit und Abwertung.

Jeder 2. Junge hat kein Mitgefühl

„Es nimmt mich mit, wenn ein Tier verletzt wird“, „Es macht mich traurig, ein Mädchen/einen Jungen zu sehen, das/der niemanden zum Spielen hat“: Bei diesen und ähnlichen Fragen zur Empathie zeigten 21% der Kinder und 54% der Jugendlichen ein unterdurchschnittliches Einfühlungsvermögen. Das meiste Mitgefühl hatten die Mädchen: Bei den 12 – 16-Jährigen zeigten 2 von 3 Mädchen, aber nur einer von 4 Jungen Mitgefühl bei den Fragen zur Empathie, berichtet der Studienleiter Holger Ziegler.

Solidarität nimmt mit dem Alter ab

Mit anderen zu teilen, nett zu ihnen zu sein, ihnen zu helfen ist Zeichen von Solidarität und offenbar auch eher Mädchensache. Von ihnen waren 48% der 6 – 11-Jährigen und 76% der 12 – 16-Jährigen überdurchschnittlich solidarisch, von den Jungen nur 28 bzw. 53%. Anders formuliert: Fast jeder zweite männliche Jugendliche zeigte in der Studie eine schwache positive Solidarität, bei den Mädchen waren dies nur 24%.

Selbst schuld wenn man gehänselt wird …

Auch bei den negativen Aspekten des Gemeinschaftssinns wie Gleichgültigkeit und Abwertung zeigten die Jungen deutlich geringere soziale Kompetenzen. Insgesamt waren 28% der Jungen und 16% der Mädchen unter 11 Jahren gleichgültig gegenüber Gleichaltrigen in Problemlagen und wiesen ihnen die individuelle Schuld an Hänseleien oder schlechten Schulleistungen zu. Diese Gleichgültigkeit verbesserte sich auch bei den Jugendlichen nicht Außerdem tendierte jeder 3. heranwachsende Junge dazu, andere, vor allem Randgruppen, stark abzuwerten, bei den Mädchen taten dies 22%.

Spielt die Armut eine Rolle?

Die Forscher brachten die Meinungen der Kinder auch in Zusammenhang mit deren sozioökonomischen Status. Dabei kam heraus, dass die Empathie, also das Mitgefühl, ebenso wie das Gefühl der Solidarität unbeeinflusst war von der Tatsache, ob die Kinder und Jugendlichen aus armen oder reichem Hause stammten. Anders bei den negativen Variablen des Gemeinschaftssinns: Ein niedriger sozioökonomischer Status und eine negative elterliche Einstellung hatten sowohl auf die Gleichgültigkeit als auch auf das abwertende Verhalten der Kinder und Jugendlichen einen signifikanten Einfluss.

Quelle: kinderförderung.bepanthen.de

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